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Weihnachtspredigt 2018

Weihnachtspredigt von Pfarrer Gerhard Pausch am 24. Dezember 2018

„Wer klopfet an?“ - „Ach, zwei ganz arme Leut. Sie suchen Herberg heut.“ Wir kennen dieses Lied aus der Herbergssuche. Maria und Josef suchen Herberge, für sich und für das erwartete Kind.

Ein Stall diente als Herberge. Maria brachte ihr Kind zur Welt, ohne Arzt, ohne Hebamme. Draußen vor der Stadt, dort, wo es riecht und dreckig ist.

Die Weihnachtsgeschichte übersieht gerade die Kleinen, die Armen nicht. Damals waren es die Hirten, die an den Rändern der Gesellschaft lebten. Sie stehen in Bethlehem in der ersten Reihe. 

Wer klopfet an? Nicht nur Josef und Maria wollten Unterkunft. Auch für Jesus - noch im Leib seiner Mutter - suchten sie Herberge.

Und heute, da klopft Jesus auch bei uns an. Er braucht keinen Palast, vielmehr ein Herz, das sich nach ihm sehnt. Er will in uns Raum bekommen, in unserem Denken und Handeln. 

Sein Name ist „Immanuel“ - Gott mit uns. - Ja mit uns, nicht weit weg von uns wie ein entfernter Verwandter, dem man halt mal an Weihnachten einen Gruß schenkt, weil man sich gerade wieder an ihn erinnert.

Gott ist mit uns – Am Hochfest von Weihnachten und an jedem ganz normalen Tag – alle Tage, Alltag.

Es ist nicht gleichgültig, wer oder was in meinem Herzen Raum gewinnt, ob ich rein selbstbezogen und rein egoistisch leben will oder mich auf Gott hin öffne. Es geht dabei um die Frage: Wem traue ich? Worin sehe ich für mich Zukunft, wo finde ich Halt? –

Und was gibt dann noch Halt, wenn andere Sicherheiten um uns herum zerbrechen?

Wenn Lebenspläne scheitern, ein Partner enttäuscht, Geschäfte nicht mehr laufen, eine schwere Krankheit als dunkle Wolke am Himmel aufzieht?

Letzten Halt kann uns nur der Glaube an Gott geben. Das können sicher viele von Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen.-

Darum dürfen wir Glaube und Alltag nicht künstlich trennen. Sie gehören zusammen – wie Krippe und Kreuz, wie Betlehem und Golgotha. 

Die Geburt von Jesus bringt etwas Neues: mit ihm ist das Reich Gottes angebrochen. Er will, dass wir uns auf IHN einlassen, ja IHN einlassen. 

Johannes schreibt es im Evangelium so: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“. Und er fügt hinzu: „Er kam in sein Eigentum - aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Es ist unsere Freiheit, ob wir ihn einlassen oder nicht. Er zwingt nicht. Er lädt ein, fragt an, klopft an, fällt nicht mit der Tür ins Haus.

Leo der Große (+ 461) hat es so formuliert:

“Christ, erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden. Kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück, und lebe nicht unter deiner Würde. Bedenke, dass du der Macht der Finsternis entrissen und in das Licht und das Reich Gottes aufgenommen bist. Verjage nicht durch deine Sünden den hohen Gast, der in dir Wohnung genommen hat. Denn der Preis für deine Freiheit ist das Blut Christi.“

Wer klopfet an? - Jesus selber klopft heute an unser Herz und will Einlass. Sein Klopfen ist eher leise und verhalten.

Ich wünsche Ihnen dafür offene Ohren und und weites Herz, ein wahrhaft weihnachtliches Herz!

Es ist Weihnacht.

 

Gott hat sein letztes,
sein tiefstes, sein schönstes Wort
im Fleisch gewordenen Wort
in unsere Welt hineingesagt.
Und dieses Wort heißt:
Ich liebe dich,
du Welt, du Mensch.
Ich bin da: Ich bin bei dir.
Ich bin dein Leben.
Ich bin deine Zeit.
Ich weine deine Tränen.
Ich bin deine Freude.

Fürchte dich nicht!
Wo du nicht mehr
weiter weißt, bin ich bei dir.
Ich bin in deiner Angst,
denn ich habe sie mitgelitten.
Ich bin in deiner Not und in deinem Tod,
Ich bin in deinem Leben,
und ich verspreche dir:
dein Ziel heißt Leben.
Es ist Weihnacht. Die bleibt in Ewigkeit.
Auch für dich geht das Tor auf.

(Karl Rahner)

2018-12-24 Weihnachtskrippe 500

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