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Ökumenische Weihnachtsbotschaft

Ökumenische Weihnachtsbotschaft von Bischof Gerhard Ludwig und Landesbischof Friedrich Weber: "Gott ist Mensch geworden und hat unsere Würde als Menschen grundgelegt" - "Gott kann uns nicht näher kommen als in einem gewöhnlichen, machtlosen Baby"

(pdr) Wortlaut der Weihnachtsgrußbotschaft 2010 von Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferez (DBK), und Landesbischof Dr. Friedrich Weber, Catholica-Beauftragter der VELKD:

Bischof Gerhard Ludwig:
"Wir freuen uns, Ihnen gemeinsam einen herzlichen Weihnachtsgruß zu senden. Weihnachten geht uns alle an, Christen wie auch alle Menschen guten Willens. Diese Botschaft verpflichtet uns zur Einheit untereinander. Denn Gott ist in seinem Sohn zu uns allen, zu Ihnen wie auch zu mir, gekommen.

Gott ist Mensch geworden und hat unsere Würde als Menschen grundgelegt. Nun ist es an uns, uns für die Würde aller Menschen stark zu machen, besonders aber für die Würde der Menschen, die in Armut und Unterdrückung leben. Der Mensch wurde als Abbild Gottes geschaffen, aber weltweit ist seine Menschenwürden bedroht. Verlieren wird dies an Weihnachten nicht aus den Augen!

In ökumenischer Eintracht sind wir stark, gemeinsam für die Würde eines jeden Menschen einzutreten. Unsere regelmäßigen Gespräche mit den Partnern der Ökumene haben nicht zuletzt dies zum Ziel. Wir haben den festen Willen, die Trennungen und das, was unsere Einigkeit in Deutschland noch hindert, zu überwinden.

Die Hirten von den Feldern und die Weisen aus dem Morgenland sind in den Stall von Bethlehem gekommen. Hier finden wir alle den Raum für ein menschenwürdiges Leben. Die ökumenische Einheit ermöglicht Hoffnung miteinander. Geteilte Hoffnung ist doppelte Hoffnung. Versammeln wir uns um den Urheber der Menschenwürde, Gottes Sohn in der Krippe. So kann uns das Weihnachtsfest stärken, so können wir alle zusammen auf ein gutes Jahr 2011 hoffen."

Die Botschaft von Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel) im Wortlaut:

"Die Weihnachtsbotschaft, dass Gott selbst in unsere Welt gekommen ist, ist in der Tat die zentrale Botschaft, die wir gemeinsam und in Eintracht weiterzugeben haben. In dem jüngsten Apostolischen Schreiben hat mich ein Satz Benedikt XVI. besonders angerührt: Der Papst schreibt, dass sich das ewige Wort klein gemacht habe – „so klein, dass es in eine Krippe passte. Es hat sich zum Kind gemacht, damit uns das Wort fassbar werde.“

Auch Martin Luther hat immer wieder die Selbstbewegung Gottes in die Tiefen der menschlichen Endlichkeit und das Kommen Gottes in die menschliche Niedrigkeit der Krippe leidenschaftlich verfochten. In seinem wohl bekanntesten Weihnachtslied „Vom Himmel hoch“, heißt es z.B.: „So merket nun das Zeichen recht: / die Krippe, Windelein so schlecht / da findet ihr das Kind gelegt, / das alle Welt erhält und trägt.“ (EG 24,6). So werden es viele Gemeinden – ganz gleich ob evangelisch oder katholisch – am Heiligen Abend in ihren Gottesdiensten singen.

Merken wir die Zeichen der Zeit? Auch im neuen Jahr müssen wir alles versuchen, unsere noch bestehenden Differenzen so klein zu machen, dass wir in unserem ökumenischen Handeln diesem „Vorlauf“ Gottes nicht widersprechen. Das Kind in Windeln hat kein Verständnis für Kriteleien, Machtspiele oder konfessionalistische Selbstprofilierung.

Der unfassbare, unbegreifliche Gott kann uns nicht näher kommen als in einem gewöhnlichen, machtlosen Baby. Gemeinsam dürfen wir uns ihm nähern mit all unseren Schwächen und Stärken, aber auch Unterschieden. Denn allein er trägt und erhält alle Welt. Dies sollte uns Christinnen und Christen Ermutigung und Ansporn sein, auch im neuen Jahr gemeinsam von der heilvollen Weihnachtsbotschaft Zeugnis zu geben."

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