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Silvesterpredigt 2009

Ansprache von Stadtpfarrer und Regionaldekan Gerhard Pausch am Silvesterabend 2009

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

Das Jahr 2009 geht zu Ende, damit sind auch das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts und Jahrtausends schon gleich wieder Geschichte.
So ist es gut, an der Schwelle zum neuen Jahr inne zuhalten und der Besinnung auf das eigene Leben Raum zu geben.

Vielleicht haben Sie schon die Gelegenheit genutzt, um vor Ihrem geistigen Auge das Tagebuch des Jahres 2009 nochmals vor Ihnen Revue passieren lassen.
In diesem Tagebuch, bestehend aus 365 Blättern, sammeln sich viele Bilder und Erlebnisse. Erfahrungen, die nun unwiderruflich zu unserer Lebensgeschichte gehören.

Wir sehen Schönes und sicher auch Schmerzliches. Darin sind auch Bruchstücke und Scherben enthalten. Auch sie brauchen wir nicht verschweigen. All das dürfen wir Gott übergeben und ihm anvertrauen. Beim Herrn ist Vergebung und reiche Erlösung. Das ist unsere Hoffnung.

Wer nachdenkt, der wird dankbar. So wollen wir danken für so viele Gnaden, danken für jedes gute Wort, für jede helfende Tat.

Manches Unerwartetes und Ungereimtes ist auf uns zugekommen. Vielleicht können wir jetzt schon in der Rückschau oder erst später den roten Faden entdecken. Mancher Sinn wird uns erst einmal in der Ewigkeit aufgehen.

Wir können aus dem Vergänglichen das Bleibende herauslesen. Für mich ist das Bleibende: In allen Höhen und Tiefen durfte ich Gottes gute Hand verspüren, die mich leitete. Gott ist treu. Er bleibt in allen Wechselfällen der Unwandelbare. Er gibt Halt und Trost - das durften wir immer wieder in unseren Gottesdiensten feiern.

Wir dürfen uns freuen über so viel Segen.

In der Rückschau blicken wir auch auf unsere Pfarreiengemeinschaft.

In beiden Pfarreien versuchten wir - die Hauptamtlichen und die Ehrenamtlichen - im Miteinander das Evangelium zu bezeugen und den Glauben weiterzutragen - wissend um unsere Grenzen und Schwächen; wissend auch um die Umbruchssituation, in der wir uns befinden.

Die große Weltpolitik kam in ihren Auswirkungen auch auf den einzelnen zu. Wir wurden hinein genommen in die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Wir erlebten hier in Weiden die Schließung von Hertie und den Verlust vieler Arbeitsplätze auch in anderen Wirtschaftszweigen.

Im kirchlichen Leben sorgte die Ankündigung der Augustiner für großen Schmerz: Sie werden Seminar und Konvent schließen. Grund dafür ist der mangelnde Nachwuchs für unsere Orden. Wir dürfen dankbar sein für die jahrzehnte langen seelsorgerlichen Dienste der Augustiner in unserer Stadt. Sie waren und sind ein großer Segen.

Die bevorstehende Schließung des Augustinerklosters ist auch Ausdruck der großen Umbruchssituation in unserer Kirche. Vieles verändert sich, liebgewordenes bricht weg.

Wir erleben die Umbrüche auch direkt in unseren Pfarreien: Einige Stichpunkte dazu:

Kirchenaustritte, Zahl der Gottesdienstbesucher nimmt ab; viele Kinder erleben kaum mehr zu Hause religiöse Erziehung, die Kirchensteuer bricht ein. Das sind äußere Merkmale. Wie es im Inneren wirklich ausschaut, das ist nicht mit Zahlen erfassbar. Ich spüre in all den Unsicherheiten, denen die Menschen ausgesetzt sind, sehr viel Suchen nach Verlässlichem, auch die Suche nach Gott.

Dennoch dürfen wir uns durch negative Erfahrungen Erfahrungen nicht die Freude an unserem Glauben nehmen lassen. Wir müssen auch mit Rückschlägen leben lernen. Jesus selber hat gesagt: Wollt auch ihr gehen? Er hat niemanden gezwungen zu bleiben. Er hatte aber ein großes Herz für jeden, der zurückkehrt.

Wir durften im vergangenen Jahr das Jubiläum 75 Jahre Pfarrkirche Herz Jesu feiern. Es waren viele Höhepunkte und ich denke, es brachte auch echte Ermutigung im Glauben und festigte den Zusammenhalt in der Pfarrei und in der Pfarreiengemeinschaft.

Am 7. März 2010 finden die Wahlen zum PGR statt. Momentan sind wir auf der Suche nach Frauen und Männern, die sich für dieses Ehrenamt zur Wahl aufstellen lassen. Damit es gut weitergehen kann, bitte ich Ihre Mithilfe.

Es gibt sehr Positives in unserer Pfarreiengemeinschaft: Im Alltag gelebter Glaube, gepaart mit christlicher Hoffnung und praktizierter Nächstenliebe.

Dankbar können wir sein für die vielen Ehrenamtlichen, die sich aus Überzeugung und mit Begeisterung engagieren.

Allen ein herzliches "Vergelt's Gott"! 

Es gibt so viele Lichtblicke in unserem persönlichen Leben und im Leben unserer Pfarreien, nicht schreiend und laut, eher leise und verborgen. Das braucht auch in keiner Statistik erfasst werden. Gott weiß es. Das genügt.

Von der Schriftstellerin Andrea Schwarz stammen folgende Zeilen.
Deren Worte möchte ich bewusst am Ende dieses Jahres zitieren:

In den Wüsten des Lebens
Wasser und Brot nicht verachten
den Worten des Engels trauen

noch einmal
aufbrechen
losgehen
das Leben suchen
um zu finden
was ich nicht suchte

Das Gedicht trägt die Überschrift:

Wider die Resignation

2009-12-31 DSC01523-750

Wandgemälde in der Unterkirche
(beim ehemaligen Kindergarten, heute Kinderkrippe)

 

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