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Weihnachtspredigt von Stadtpfarrer Gerhard Pausch am 24. und 25. Dezember 2010
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
zum Weihnachtsfest gehört die Krippe. Die Ursprünge gehen auf den hl. Franziskus zurück. Weihnachten 1223 ist der Geburtstag der Krippe. Erstmals stellte Franziskus in einer Höhle in Greccio mitten im Wald das Geschehen von Bethlehem dar - mit lebenden Figuren und Tieren. Gerade, weil das Kind auf Stroh gebettet im Futtertrog lag, arm wie seine Zuschauer, verstanden diese, dass Jesus einer von ihnen war. Franziskus predigte in dieser Nacht so greifbar und verständlich, dass alle dies Geheimnis verstanden. Danach entwickelte sich die traditionelle Krippendarstellung weiter, verbreitete sich in der ganzen Welt.
Der Blick in die Krippe hat nach wie vor etwas Faszinierendes. Er lässt etwas erahnen von dem weihnachtlichen Geheimnis.
1. Stern von Betlehem:
Über der Krippe ist der Stern angebracht. Selbst der gestirnte Himmel, das unendliche Sternenmeer mit den Galaxien und Milchstraßen sind mit einbezogen in dieses weltumgreifende Geschehen. Der Hebräerbrief beschreibt dieses kosmische Ereignis so: „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat… Er trägt das All durch sein machtvolles Wort.“ Gott wird Mensch Er kommt in eine Welt, die wahrhaftig rettungsbedürftig ist. Die Welt sucht ständig Rettergestalten und läuft ihnen nach: Zur Zeit Jesu regierte in Palästina König Herodes; Kaiser Augustus ließ sich in Rom als Herr und Gott ausrufen und verehren. Oder im 20. Jhdt. ließen sich Lenin, Stalin oder Hitler als die neuen Heilsbringer feiern und brachten doch über unzählige Menschen Unglück und Leid. Rettungsschirme sind heute gefragt: für die internationale Finanzwelt, für den Arbeitsmarkt, für die Kirche. Auf der anderen Seite verblassen unsere Rettergestalten sehr schnell, wie das Beispiel des amerikanischen Präsidenten Obama zeigt.
In diese gegenwärtige Welt, über der manche dunklen Wolken stehen, leuchtet weltweit der Stern von Bethlehem mit der Botschaft: „Heute ist euch der Retter geboren!“
Diese Weihnachtsbotschaft bringt Licht in die Herzen, tröstet, macht Mut, schenkt Verzeihung und einen neuen Anfang.
Christus ist geboren. Darum steht unsere Zukunft trotz allem unter einem guten Stern!
2. Engel: Der Himmel öffnet sich - über jeden Menschen
 Ist die Rede vom Retter der Welt doch nur Zweckoptimismus oder einfach nur Rede zum Fenster hinaus? Aus eigener Kraft können wir uns nicht retten. Das bekommen wir Tag für Tag kräftig zu spüren. Die Rettung kommt von Gott, von oben, von außen herein in diese Welt. Der Engel sagt den erstaunten Hirten: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude!“ Und die ganze Engelschar lädt ein: Gebt Gott die Ehre - und dann wird Friede auf Erden sein.
Wir dürfen Gott und seine Botschaft nicht ausklammern - nicht aus der europäischen Verfassung, nicht aus der Gesetzgebung, wenn es um Schutz des Lebens von Anfang bis zum Lebensende geht, - auch nicht aus unserer ganz persönlichen Privatsphäre. Überall gehört Gott hinein. Wo Gott fehlt, fehlt die tragende Mitte; da verliert der Mensch seine Orientierung; er kann dann nicht mehr unterscheiden zwischen Gut und Bös, ob etwas dem Menschen förderlich ist oder ihn zerstört.
Wer Gott anbetet, braucht seinen Lebenssinn nicht krampfhaft nur in dieser Welt zu finden. Er spürt sich von Gottes Liebe getragen - auch in unerträglichen Situationen, wenn Menschen bitter leiden und Schmerzen haben, schuldig werden oder beruflich oder finanziell scheitern. Gott schenkt Hoffnung - wo wir mit unserer Kraft am Ende sind.
Der Himmel bietet alles auf, was er hat, um uns Menschen zu retten, uns Lebenssinn zu geben. Gott selber kommt in diese Welt, als hilfloses Kind in der Krippe. Gott will uns beschenken, auf Augenhöhe begegnen, als Kind umarmen, einer von uns werden.
3. Die eine Welt vereint an der Krippe:
 Ganz unterschiedliche Menschen finden zur Krippe:
Maria, die maßlos auf Gott Vertrauende, Josef, der seinen Träumen traut und dem Jesuskind beherzt Zukunft ermöglicht; Hirten mit dem Stallgeruch ihrer Tiere und Menschen in königlichen Gewändern.
Arme und Reiche, Gottnahe und Gottferne, Suchende und Fragende - sie alle haben Platz in der Krippe bei Jesus.
Jeder kommt aus seiner Welt und darf so sein wie er ist. Und selbst die Tierwelt ist miteinbezogen. Da ist ein friedliches Miteinander zwischen Mensch und Tier. Sie alle finden die gleiche Blickrichtung - auf Christus hin. Daraus können in unserer oftmals kalt gewordenen Welt ein solidarisches Miteinander und eine echte Gemeinschaft erwachsen. Eine Vision für die ganze Welt leuchtet auf: Christus will die aus den Fugen geratene Menschheit einen.
„Werdet immer mehr zu Frauen und Männern der Gemeinschaft, widersteht dem Blendwerk des Individualismus und habt den Mut, wenn nötig auch gegen den Strom zu schwimmen“, so der Papst zu den jungen Teilnehmern am internationalen Taize-Treffen in Rotterdam. Darin beschreibt der Hl. Vater die Konsequenzen, die sich aus der Geburt Jesu ergeben. Weihnachten sollte keinen kalt lassen. Weihnachten will uns verändern.
Denn heute ist uns der Heiland geboren, heute schlägt uns die rettende Stunde - das feiern wir und besingen es freudig!
Die Bilder gewähren Eindrücke von der Krippe in der Pfarrkirche St. Johannes, die seit Jahren liebevoll durch den Kindergarten gestaltet wird.
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